Licht im Mittelland
Es gibt Orte, die sind sofort fotogen. Die Alpen, die Côte d'Azur, Island. Das Mittelland gehört nicht dazu. Und genau das macht es interessant.
Das diffuse Licht des Plateau
Was das Mittelland auszeichnet, ist die Bedeckung. Nicht Regen, nicht Sonnenschein – sondern dieses eigenartige Zwielicht, das entsteht, wenn sich Hochnebel und Horizontlicht mischen. Im November, kurz nach Sonnenuntergang, gibt es in der Region Bern-Freiburg manchmal 20 Minuten, in denen der Himmel wie von innen zu leuchten scheint.
Ich habe dort angefangen, auf Belichtungszeit statt Blende zu denken.
Jahreszeiten
Frühling bringt Kontraste: Rapsgelb gegen ein noch graues Wäldchen. Ich arbeite dann mit langen Brennweiten (200–400mm), um die Farbblöcke zu komprimieren.
Sommer ist schwierig. Das Licht ist hart, die Schatten zu tief. Ich drehe dann früh oder schreibe ab.
Herbst ist die Hochsaison. Bodennebel bei Sonnenaufgang, die Jurakette als Silhouette. Mit einem 85mm f/1.4 und dem richtigen Timing entstehen Bilder, die sich verkaufen.
Winter überrascht regelmässig. Wenn Hochdruck das Mittelland mit Inversionnebel füllt und die Voralpen gold beleuchtet sind – das ist einzigartig für diese Region.
Technische Notizen
- Ich verwende meistens ISO 400–800, lieber Körnung als unscharfe Bewegung
- Neutraldichte-Filter für lange Belichtungen im Sommer bei Wasser
- RAW, immer. Die Lichtstimmungen hier brauchen Spielraum in der Entwicklung
Das Mittelland braucht Geduld. Aber wer wartet, wird belohnt.